1. Wir weben, wir weben!

Endlich läuft die Produktion der Friesischen Wollweberei an – nach dem Umzug der tonnenschweren Textilmaschinen und nach einem sechsmonatigen Wiederaufbau. Der neue Standort ist wie geschaffen für unsere Manufaktur. Hier in der Weberstraße 5 in Zetel ist alles so, wie es sein sollte. Licht, Platz, Übersicht und eine tolle Infrastruktur schaffen einen inspirierenden Produktionsstandort. Mittlerweile sind wir zu zwölft dabei den gesamten Produktionsablauf wieder in den Griff zu bekommen. Fast alle Maschinen sind wieder im Gebrauch. Und die meisten der ehemaligen Mitarbeiter*Innen sind wieder dabei. Ohne deren Know-How und Begeisterung wäre der Neustart undenkbar. Doch auch so ist es eine echte Herausforderung die alte Textilfabrik an einem anderen Standort wiederaufzubauen.



In den letzten Jahrzehnten verlief die Entwicklung anders herum. Textilfirmen schlossen ihre Pforten, die Produktion zog in Billiglohnländer, Arbeitsplätze und Wissen, Maschinen und die Lebensgrundlage vieler Menschen gingen verloren. Dabei war die Textilindustrie einer der wesentlichen Gründe für den hohen Technologiestand des Industriestandorts Deutschland. Und auch hier in Norddeutschland spielte die Textilwirtschaft eine wesentliche Rolle – von der Wolle bis zur Produktion. Vor wenigen Jahrzehnten arbeiteten hier im Norden noch tausende Menschen in diesem Bereich. Auch hier in Zetel. Die kleine Ortschaft ist seit jeher ein Weberstandort gewesen. Davon ist bis heute kaum etwas übrig geblieben – bis auf ein paar Straßennamen, einige museale Artefakte und die letzten Idealisten, die als Handspinner und -weber die Kunst des Textilhandwerks erhalten.


Webstoff der Coastland Wolldecken aus Schurwolle auf Rolle in der Näherei

Tatsächlich sind wir mit unserer Neugründung die einzige Wollweberei Norddeutschlands, die selber die Ausrüstung, das heißt, die Veredlung der Webstoffe durchführt. Warum wir diesen Schritt getan haben? Wir wollten diese Firma, die sich aufgelöst und deren Maschinen praktisch in alle Winde zerstreut hätte, einfach nicht verloren geben. Weil wir glauben, dass es möglich ist hier hochwertige Produkte zu fertigen – sozial gerecht, nachhaltig und leidenschaftlich. Weil wir um die einzigartige Qualität dieser Produkte und den Wert dieser Kulturtechnik wissen. Und weil wir nicht wussten, wie schwer es sein wird. Hinter uns liegen anstrengende Monate. Doch jetzt sind wir, das Team der ersten Stunde, glücklich und alle zusammen auch ein bisschen stolz, dass die Maschinen wieder laufen, wir wirklich wieder weben und wir die ersten Wolldecken aus unserer Produktion in den Händen halten.

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